Donnerstag, 27. Dezember 2007

Haustiere II.


Genährt wird meine Freude über die Unausrottbarkeit der Natur im Betonkrieg Singapurs gegen seine Dschungelpflanzen - trotz allen Ekels vor fußschweißfanatischen Kriechtieren - vor allem durch die optisch ansprechenderen Amphibienvertreter wie den hier abgebildeten Rana erythraea, der mich im Wechsel mit anderen Familienmitgliedern zum Feierabend vor der Haustür mit einem geheimbündlerischen Augenzwinkern begrüßt.
So sehr viele Menschen hart an ihren Karrieren arbeiten, so wenig lachen sie auch. Im Grunde sind die einzigen mehrheitlich fröhlichen Menschen auf dieser Insel Wanderarbeiter oder Kindermädchen, Menschen, denen es das Leben noch nie leicht gemacht, die die Armut nach Singapur getrieben hat und deren Naturverbundenheit im Stadtstaat nur als Nachteil gilt, zu schwarz, zu erdig, kulturlos.
Wie viel Kultur gerade in dieser Erdigkeit steckt, wird nur dem klar, der es wagt, seine Trutzburg aus ängstlicher Sauberkeit und steril anmutender Lebensführung für einen Moment zu verlassen. Ich, jedenfalls, schöpfe mehr Kraft aus dem stummen Gruß des Frosches und dem strahlend weißen Lächeln einer Daimler waschenden "Perle" denn aus dem bangen Blick auf die heutigen Aktienkurse. Guten Abend.

Dienstag, 18. Dezember 2007

Nicht nur zur Weihnachtszeit

Singapurer Gastfamilien fördern den interkulturellen Austausch


„Glo-ooo-ooo-ria, in excelsis deo“, die 20jährige Lin Zhiqi singt mit ernstem Gesichtsausdruck zum ersten Mal in ihrem Leben Weihnachtslieder.

Das Besondere daran: wir befinden uns nicht in einer Kirche, sondern in einem Einfamilienhaus in Bukit Batok und gläubig ist Zhiqi auch nicht. Diesen vorweihnachtlichen Abend möglich gemacht hat das Austauschprogramm der Singapore Management Universität, die seit 2 Jahren Erst- und Zweisemester an Singapurer Gastfamilien vermittelt. Der Großteil der Studenten stammt, wie Zhiqi, aus China. Die Kantonesin studiert seit knapp einem Jahr Betriebswirtschaft in der Löwenstadt und fühlt sich wohl hier, auch dank der Fürsorge ihrer hiesigen Gastfamilie.

Das Programm kooperiert seit seiner Gründung mit zwei presbyterianischen Kirchen. Alex Teo, Initiator des christlichen „Campus Hub“, macht deutlich, was ihm an dieser Idee gefällt. „Ich habe während meiner Studienzeit in Amerika sehr gute Erfahrungen mit meiner dortigen Gastfamilie gemacht. Das Gefühl, ein Heim in der Fremde zu haben, möchte ich hier zu Hause nun an andere Studenten weitergeben.“

Die Kooperation läuft gut, die mittlerweile 40 Studenten des Programms kommen nicht nur aus der Volksrepublik, sondern auch aus Laos, Myanmar oder Vietnam.
Voraussetzung für eine Aufnahme in das Programm ist, laut Alex Teo, „eine gewisse gesellschaftliche Relevanz der Familie“. So seien die meisten Familienvorstände Ärzte, Rechtsanwälte oder Professoren. „Wir möchten unseren Gastkindern in kurzer Zeit einen Zugang zu möglichst vielen Kreisen der Singapurer Gesellschaft ermöglichen.“ Zwar bekämen die Gasteltern für ihr Engagement kein Geld von der Universität. Das Programm biete jedoch nicht nur den Studierenden Hilfe beim Einleben an, auch die Singapurer Familien profitierten von diesem Austausch.

„Jedermann weiß, dass unser Singapur-Mandarin nicht besonders gut ist“, lacht der chinesischstämmige Alex Teo. „Meine Familie und ich lernen also auch sprachlich was dazu. Außerdem ist es doch eine wunderbare Gelegenheit für meine Kinder, fremde Kulturen gewissermaßen direkt im Haus zu haben“, sagt der promovierte Manager vergnügt.
Zhiqi aus Kanton kann dem nur zustimmen. „Der größte Unterschied zu China ist wahrscheinlich das multikulturelle Leben Singapurs. Durch meine Gastfamilie verstehe ich vieles sehr schnell und revanchiere mich mit ein wenig Chinesischunterricht und Nachrichten aus China, die ihren Weg nicht in die Medien finden.“

Ihre Neugierde an der Lebensweise der Inselbewohner hat Zhiqi auch zur heutigen Weihnachtsfeier gebracht. Religion spielt an diesem Abend wie auch im gesamten Austauschprogramm nur eine untergeordnete Rolle. Alex Teo: „Wir haben auch buddhistische und muslimische Familien, die Studenten aufnehmen. Bekehren wollen wir niemanden. Der Schwerpunkt liegt auf dem interkulturellen Austausch.“

Und dafür stehen bereits neue Programmpunkte zur Diskussion, wie Schwimmen, Wandern, gemeinsame Ausflüge in die Region. Dann hat Lin Zhiqi vielleicht Gelegenheit, ein paar Wanderlieder kennenzulernen.