Freitag, 14. März 2008

East meets West? Nein, eher Menschliches, Allzumenschliches.


Während ich ein Glas Wein bei Freunden trinke, dazu die schöne Aussicht auf Chinatown um Mitternacht genieße, mit dem Central Business Disctrict im Hintergrund, stelle ich aufs Neue fest, dass diese Stadt nicht nur aussieht wie eine Postkarte, sondern sich auch so anfühlt.

Hübsch auf den ersten Blick, ziemlich profillos und mit bitterem Nachgeschmack wie beim Ablecken einer Briefmarke.

Singapur fern der Uferpromenadenfesttagsstimmung hat mit weniger luftigen Problemen zu kämpfen:
(Aufnahme aus einem Aufzug in Ang Mo Kio, dem Singapurer Hinterland)

Nach wie vor bin ich der Ansicht, dass die Löwenstadt ein hervorragendes Beispiel ist für die Relation urbaner Repression und (versteckt ausgelebter) Aggression ihrer allzu menschlichen Bewohner.

1 Kommentare:

Anonymous Anonym meinte...

Hi olr,
auf einer sehr informativen DVD des SPIEGEL-TV über die globale Wirtschaft kommt Lee Kuan Yew zu Wort: er berichtet, dass es zu den größten Schwierigkeiten der Urbanisierung, der Zivilisierung der Singapurer Bevölkerung gehört habe, ihnen elementare Umgangsformen beizubringen und ihnen die ländlich-sittlichen abzugewöhnen. Er nennt als Beispiel übrigens das Urinieren in Aufzügen, das vor fünfzig Jahren durchaus nicht ungewöhnlich gewesen sein muss.
Schaut man sich den rasanten Aufstieg der Stadt in diesen fünfzig Jahren an, sieht man das kleine verseuchte Fischerdorf und vergleicht es mit den heutigen geradezu schweizerischen Verhältnissen, versteht man vielleicht die Verklärung der Erinnerung an die Aufräum- und Grundsatzarbeiten.
Ich hatte beim Hören des Interviews mit Lee Kuan Yew den Eindruck, er könne die Spannweite der geleisteten Arbeit am besten durch die Entfernung von diesen allzu schlichten Gewohnheiten illustrieren, als sei es der Inbegriff der Strecke, der kollektiven Kraftakte, die zurückzulegen, auszuführen gewesen seien. Und da kann ich verstehen, dass man die Rückfälle scheut wie der Deutsche Arbeits- und Lebens-Verhältnisse, in denen bei acht Tagen Jahresurlaub dem Normalotto nur Schwarzweißfernseher erreichbar wären samt Bohnenkaffee nur am Sonntag …
Gruß
wr

25. März 2008 um 03:56  

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